200 Jahre Westfalen: LWL stellt Gesamtdarstellung der westfälischen Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert vor

 

http://www.lwl.org/pressemitteilungen/daten/bilder/53971.jpg

20.3.15 - Münster (lwl).  2015 jährt sich die Konstituierung der preußischen Provinz Westfalen zum 200. Mal. Damit wurde erstmals ein politischer Raum mit klaren Grenzen, einer einheitlichen Verwaltungsorganisation und später einer politischen Stimme geschaffen. Das Gründungsjahr geht auf die Vereinbarungen des Wiener Kongresses zurück, der nach zwei Jahrzehnten Krieg und der Niederlage Napoleons eine territoriale Neuordnung Europas festlegte. Einen Tag nach seiner Schlussakte wurde am 10. Juni 1815 die territoriale Neuordnung bestätigt. Bereits am 30. April 1815 hatte der preußische Staat die neue Organisation der Provinz Westfalen beschlossen und 1817 vollendet. Rund 130 Jahre wurde später die Provinz Westfalen nach dem Zweiten Weltkrieg aufgelöst und mit der Gründung von Nordrhein-Westfalens am 23. August 1946 zum Landesteil.

 

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) veröffentlicht dazu im Jubiläumsjahr 2015 das Buch „Westfalen in der Moderne 1815-2015. Geschichte einer Region". "Westfalen verfügt über eine ausgeprägte regionale Geschichte, die starke Eigenentwicklungen und Besonderheiten aufweist. Sie war auch geprägt von politischen, konfessionellen und sozialen Herausforderungen und Konflikten. Diese Geschichte nachzulesen kann ganz wesentlich dazu beitragen, die heutige Lebenswirklichkeit besser zu verstehen und einzuordnen: Der Symbolgehalt des Kaiser-Wilhelm-Denkmals an der Porta Westfalica beispielsweise, der Strukturwandel im Ruhrgebiet oder die ausgeprägte Zuwanderungskultur in Westfalen bleiben ohne den Blick auf die regionale Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts unverständlich", sagte LWL-Direktor Matthias Löb, bei der Vorstellung des Buches in Münster. Die 25 Beiträge des Buches zeigen, wie sich aus diesen das "moderne" Westfalen entwickelt hat. "Der Band bietet nicht nur einen historischen Überblick über Politik, Wirtschaft und Kultur. Er befasst sich auch mit Themen wie mit Mobilität, Wandel des Handwerks oder Umweltschutz", so Prof. Dr. Bernd Walter, Leiter des LWL-Institutes für westfälische Regionalgeschichte. Inhaltsverzeichnis. Das Projekt ist eine Kooperation zwischen dem LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte und dem Aschendorff Verlag. Die Beiträge der 17 Autoren werden durch etwa 250 Abbildungen und Karten illustriert. Unterstützt wurde der Band von der Kulturstiftung der Westfälischen Provinzial Versicherung.

 

Karl Ditt (u.a.): Westfalen in der Moderne 1815-2015. Geschichte einer Region. Münster 2015, 864 S. Preis: 29,95 Euro

ISBN 978-3-402-13023-0

 

Fernab gängiger Bilder wie Schinken und Pumpernickel, Hermannsdenkmal und Wasserburgen oder wogenden Kornfeldern vor Zechentürmen war und ist die Region in den vergangenen 200 Jahren von zahlreichen Besonderheiten und Gegensätzen geprägt. Dazu zählten immer wieder auch politische, konfessionelle und soziale Konflikte. "Gegensätze ziehen sich an", sagt der Volksmund. Westfalen müsste dem Sprichwort nach besonders eng verbunden sein. Denn die 200-jährige Geschichte der Region wird von zahlreichen Gegensätzen bestimmt: religiöse, politische und soziale Umbrüche, agrarisch-ländliche Idylle auf der einen, industriell geprägte Großstädte und Zuwanderung auf der anderen Seite, sprich große räumliche und lebensweltliche Kontraste. Die Umwälzung Europas durch die napoleonischen Kriege und den Wiener Kongress von 1814/15 hatten die politische Einheit Westfalens zur Folge. Indes bestehen die Ungleichheiten innerhalb der noch jungen Region bis heute fort.


Auf dem politischen Sektor war Westfalen zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein Konglomerat aus sehr unterschiedlichen wirtschaftlichen, sozialen, konfessionell-kulturellen und politischen Teilregionen, die durch einen politischen Akt - der preußischen Provinzgründung 1815 - zusammengefügt wurden. Trotz eines einheitlichen Verwaltungsaufbaus und später einer politischen Stimme bleiben bis heute die unterschiedlichen Landstriche in ihrer ehemaligen Eigenständigkeit und ihrem Selbstverständnis erkennbar. "Heute ist Westfalen eher ein Sammelbegriff, der vor allem durch populäre Selbst- und Fremdzuschreibungen eine gewisse Einheitlichkeit erhält", sagt Dr. Karl Ditt, Historiker am LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte und Mitautor des Bandes "Westfalen in der Moderne 1815-2015. Geschichte einer Region". Diese Heterogenität sorgte für Spannung zwischen Region und Zentren. Der LWL mit seiner starken kommunalen Verankerung sieht sich nach wie vor als ein Sprachrohr der Region Westfalen.

 

Im 19. und der ersten Hälfte des 20. Jh. wird ein wirtschaftlicher Aufstiegsprozess deutlich, der vom Bergbau sowie von der Eisen-, Stahl- und Textilindustrie vorangetrieben wird. Die Region zwischen Rhein und Weser zählt  zu denjenigen Räumen in Deutschland, in denen die Industrialisierung relativ früh begann. "Als sich im Zuge der Industrialisierung - durch Kohleabbau und Stahlproduktion im Gebiet an der Ruhr - die Provinz Westfalen zu einer der ökonomischen Vorreiter- und Boom-Provinzen des preußisch-deutschen Kaiserreichs und einem nationalen Wachstumsmotor entwickelte, beflügelte das auch die traditionellen Gewerberegionen", betont der LWL-Historiker Prof. Dr. Bernd Walter, Leiter des LWL-Institutes für westfälische Regionalgeschichte.

 

http://www.lwl.org/pressemitteilungen/daten/bilder/54712.jpg

 

Class-Mähdrescher im Roggenfeld um 1954: Die Motorisierung in der Landwirtschaft setzte zwar schon Ende des 19. Jh. ein, die flächendeckende Maschini-sierung dauerte jedoch noch bis in die frühe Bundesrepublik an. Foto: Josef Schulze-Wermeling

 

http://www.lwl.org/pressemitteilungen/daten/bilder/54713.jpg

 

Saal der tausend Webstühle" der Spinnweberei F.A. Kümpers in Rheine 1952. Foto: LWL-Medienzentrum für Westfalen

 

http://www.lwl.org/pressemitteilungen/daten/bilder/54714.jpg

 

Hauer bei der Arbeit im Streb in Dortmund. Foto: LWL-Medienzentrum für Westfalen

 

Erst durch die Verklammerung von Textil-, Bekleidungs- und Maschinenbauindustrie mit der Montanindustrie konnte sich das Ruhrgebiet im 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einer Wirtschaftsregion von europäischem Format entwickeln. Die Agrarregionen im Münster- und Paderborner Land, der Hellwegzone und im Weserbergland überschnitten sich mit vier Gewerberegionen, der Leinen- und Baumwollregion des Westmünsterlandes, Minden-Ravensberg mit Flachsspinnerei und Leinenweberei, dem Märkischen Sauerland mit einem differenzierten Kleineisengewerbe und dem Siegerland mit dem Erzbergbau. Hinzu kam im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts eine Region an der Ruhr, in der oberflächennah Kohle und Raseneisenerze abgebaut wurden.

 

Die Trägerbranchen der Industrialisierung und das überregionale System von Zulieferung und Absatz erreichten in Westfalen in den 1950er bis 1970er Jahren ihren Zenit. Danach gerieten sie, vor allem aufgrund der günstigeren Arbeitskosten der ausländischen Konkurrenz, in eine Strukturkrise, die seit den 1960er Jahren in Westfalen zu einem drastischen Schrumpfungsprozess der altindustriellen Branchen führte. Die ausgeprägte Subventionspolitik der Bundesrepublik und der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), anfangs auch in der Textilindustrie, vor allem aber im Bergbau sowie der Eisen- und Stahlindustrie des Ruhrgebiets konnte den Niedergang nicht aufhalten, wohl aber den Strukturwandel verzögern. Das Gewicht der Altindustrien und der nur mühsam in Gang kommende, auch durch Abwehrmaßnahmen der Montanindustrie behinderte Prozess der industriellen Erneuerung verzögerte in Westfalen die Umstrukturierung vom Industrie- zum Dienstleistungssektor, sodass dieser Raum wirtschaftlich gegenüber anderen Regionen der alten Bundesrepublik zurückfiel. "Die wirtschaftlichen Wellenbewegungen gingen in hohem Maße auf das Schwergewicht des Ruhrgebiets zurück. Die Wirtschaft in Westfalen entwickelte sich vom Vorreiter zum Nachzügler", führt Ditt aus.

 

Insbesondere in den schon sehr früh von der Textilkrise erfassten Räumen wurden in den 1960er und 1970er Jahren aber Maßnahmen zur strukturellen Erneuerung eingeleitet. Durch eine "nachholende Industrialisierung" im Münsterland, im östlichen Sauerland und im Paderborner Raum konnte eine mittelständisch geprägte, inhabergeführte Kunststoff-, Chemie-, Möbel-, Elektro- und Maschinenbau- und Entsorgungsindustrie aufgebaut werden. Erst Anfang des 21. Jahrhunderts fand die Region wieder Anschluss innerhalb der Bundesrepublik Deutschland. Im Vergleich zum Ruhrgebiet haben der märkische Raum, Minden-Ravensberg, das Hochsauerland und das Münsterland den Strukturwandel vergleichsweise erfolgreich bewältigt, so Ditt. "Damit nivellieren sich innerhalb Westfalens die Differenzen zwischen den traditionell industriell geprägten und den ländlichen Regionen", so LWL-Direktor Matthias Löb.

 

Die Gesellschaft in Westfalen war von unterschiedlichen Veränderungsprozessen im 19. und 20. Jahrhundert geprägt. Durch den Ausbau der Infrastruktur - Verkehr, Energieversorgung und Kommunikation - rückten die Gesellschaften in Stadt und Land enger zusammen. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts hatte sich die Bevölkerungszahl in Westfalen und Lippe durch Geburtenüberschuss, vor allem aber durch Zuwanderung auf 3,4 Millionen Einwohner verdreifacht. Der Anteil der Landbevölkerung halbierte sich gleichzeitig auf 37 Prozent, der Anteil der landwirtschaftlichen Bevölkerung gemessen an allen Erwerbstätigen sank auf etwa 25 Prozent.

 

Der drastische Rückgang der landwirtschaftlichen Bevölkerung einerseits und die Aussiedlungsbewegung von Wirtschaft und Bevölkerung aus den Städten andererseits trugen nach dem Zweiten Weltkrieg wesentlich zum Zusammenwachsen bei. "Das Ausmaß der Ungleichheit innerhalb der Gesellschaft ließ deutlich nach. Auch der Anteil derjenigen, die von der Hand in den Mund leben mussten, ging zurück", verdeutlicht der LWL-Historiker. Insbesondere nach Gründung der Bundesrepublik erfolgte eine Zunahme der sozialen Absicherung, des Einkommens, des Vermögens und des Lebensstandards. Die rechtliche, wirtschaftliche und soziale Stärkung der Frauenrolle trug seit Beginn des 20. Jahrhunderts zu diesen Nivellierungsprozessen ebenfalls wesentlich bei. So nahm die Frauenerwerbsquote in der Region zwischen 1882 und 1982 von 37,5 auf 54,4 Prozent zu.


Die Antimoderne bestimmte lange Zeit die kulturelle Entwicklung Westfalens. Denn bis in die 1950er Jahren war die Moderne in Literatur, Kunst, Architektur und Musik relativ schwach vertreten. Das lange Fehlen von Akademien, Universitäten und sonstigen bedeutenden Ausbildungsstätten, der Mangel an Metropolen mit einem breiten Publikum sowie die lange Orientierung der provinziellen Kulturpolitik an der Förderung der Heimatkultur sind Ursachen für dieses Defizit. "Die Kultur der Antimoderne wurde durch eine starke kirchliche Prägung in Westfalen ergänzt", sagt Ditt und fügt hinzu: "Zu der intensiven Ausprägung der religiösen Volkskultur kam die enge Verbindung zwischen Heimatbewegung und Provinzial- beziehungsweise Landschaftsverband." Erst seit den 1970er Jahren begann mit der Verbreitung der Massenkultur die zunehmende Tolerierung der Moderne im westfälischen Raum.

 

Zwischen konfessionellen Stereotypen und Glaubensvielfalt

Auch in Glaubensfragen ist Westfalen von Gegensätzen bestimmt. Während in den Ballungsräumen und in den Großstädten die Vielfalt der unterschiedlichen Religionsgemeinschaften stark ausgeprägt ist, weisen die ländlichen Regionen wie das Münsterland, der Kreis Siegen-Wittgenstein und das Sauerland eine überwiegend christlich-konfessionelle Struktur auf. Trotz weitreichender Modernisierungsprozesse in den vergangenen 200 Jahren ist die Religionsverteilung bis in die Gegenwart durch die Konfessionalisierung während der Reformation und Gegenreformation geprägt.

 

Gebet auf dem Feld um 1900: Der im Siegerland lebende Amateurfotograf Peter Weller hielt in zahlreichen Bildern landwirtschaftliche Motive fest. Diese vermutlich inszenierte Aufnahme einer auf dem Feld arbeitenden Familie veranschaulicht die Bedeutung ländlicher Frömmigkeit. Foto: Peter Weller/Siegerländer Heimat- und Geschichtsverein e.V. Siegen

 

"Oft werden sogar noch heute konfessionelle Stereotype auf regionale Teilidentitäten in Westfalen bezogen. So bezeichnet die Aufzählung 'schwarz, Münster, Paderborn‘ zwei Städte und Regionen, die erst nach der Säkularisation im 19. Jahrhundert preußisch wurden und die sich mit ihrer mehr als 80-prozentigen katholischen Bevölkerung bis Mitte des 20. Jahrhunderts ein vergleichsweise geschlossenes Bewusstsein bewahrten", erläutert Dr. Julia Paulus, Historikerin am LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte und Mitautorin des Bandes "Westfalen in der Moderne 1815-2015. Geschichte einer Region." Sie fügt hinzu: "Ähnliches lässt sich für den Raum Minden-Ravensberg und das Siegerland feststellen, die als Teilregionen Westfalens über ihre spezifischen protestantischen Konfessionskulturen - die Erweckungsbewegung und den Pietismus - einen eigenen Charakter hatten." Besonders in den ländlichen Gebieten lassen sich noch zu Beginn des 21. Jahrhunderts konfessionelle Strukturen erkennen, die sich lange vor Gründung der preußischen Provinz Westfalen herausgebildet hatten.

Dennoch zeigten sich auch in Westfalen - wenn auch langsamer als in anderen Regionen - nachhaltige Veränderungen. Zunächst erhielt die religiöse Landschaft nach dem Zweiten Weltkrieg - sehr viel stärker als noch im Kaiserreich und der Weimarer Republik - durch den Zuzug Vertriebener aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten neue Impulse, bis der Boom der Nachkriegsjahre traditionelle konfessionell-kulturelle Differenzen ohnehin in den Hintergrund drängte.

Darüber hinaus gehört zum religiösen Pluralismus in Westfalen-Lippe neben der jahrhundertalten jüdischen Tradition mittlerweile eine wachsende Zahl an weiteren Weltreligionen, von den orthodoxen Kirchen über den Islam, vom Buddhismus bis zum Hinduismus. "Im Vergleich zwischen Kaiserreich und Bundesrepublik wird deutlich, dass wir es heutzutage in Westfalen nicht mehr nur mit einer dominanten Prägung durch die beiden christlichen Großkirchen zu tun haben", betont Paulus. "Religiöse Verschiedenheit und weniger eine Indifferenz gegenüber Religion scheint zum Zeichen der Gegenwart geworden zu sein, wie die Vielfalt an Religionsgemeinschaften beweist. Nicht umsonst wirbt das Telgter Museum 'Religio‘ mit dem Slogan: 'Westfalen ist eine Glaubenslandschaft unterschiedlicher konfessioneller Prägung‘".

 

Daten und Fakten zur Geschichte Westfalens

 

30. April 1815

„Gründung“ der preußischen Provinz Westfalen: Der preußische König Friedrich Wilhelm III. gliedert sein Königreich in zehn Provinzen und definiert im Vorgriff auf die Beschlüsse des Wiener Kongresses erstmals ein politisches Westfalen.

 

29. Oktober 1826

Eröffnung des 1. Westfälischen Provinziallandtags: Die Provinzialvertretung hatte eine beratende und gutachtende Funktion in allen Gesetzen und Angelegenheiten, die die Provinz Westfalen betrafen. Zu den wichtigsten Persönlichkeiten zählten Vincke und Friedrich Harkort

 

15. Oktober 1847

Fertigstellung der Eisenbahnstrecke Köln-Minden: Weiterer Anschub für die Industrielle Revolution im Rheinland und in Westfalen.

 

17. Mai 1849

Niederschlagung des Iserlohner Aufstandes (mit mehr als 100 Toten): Preußisches Militär beendet die demokratische 1848er-Bewegung in Westfalen.

 

1854

Gründung der Baumwollspinnerei und Garnschlichterei Mathieu van Delden in Gronau sowie der Ravensberger Spinnerei in Bielefeld. Beide gehören bald zu den größten Baumwoll- bzw. Flachsspinnereien Deutschlands und Europas und werden zu Pionieren für den Beginn der Baumwoll- bzw. Leinenindustrialisierung im Westmünsterland und in Minden-Ravensberg.

 

1871

Preußisch-deutsches Kaiserreich: Anwerbung ostdeutscher und polnischer Arbeitskräfte für die Zechen an der Ruhr . Es bildet sich ein eigenes Sozialprofil der Bevölkerung im Ruhrgebiet heraus.

 

9. Juli 1902

Eröffnung des Folkwangmuseums in Hagen durch den Industrie- und Bankierserben Karl Ernst Osthaus. Nach seinem Tod 1921 werden die Sammlungen verkauft und zum Grundstock des Musems Folkwang in Essen.

 

4. Mai 1904

Gründung des Vereins „Westfalia Schalke “, seit 1924 „Schalke 04“: Dieser Fußballverein steht für eine Variante der Massenkultur, die gerade im Ruhrgebiet aufgrund der Städtekonkurrenz auf große Resonanz trifft

 

19. Juni 1920

Gründung des Siedlungsverbandes Ruhrkohlenbezirk (SVR): Damit wird die Stellung der Revierstädte gestärkt. Bis heute wird über die Eigenständigkeit des Ruhrgebiets diskutiert, das sich auf die drei Regierungsbezirke Münster und Arnsberg

seit 1933

Die „Gleichschaltung“ in Politik und Verwaltung sowie die Etablierung des NS-Terrorsystems werden auch in der Provinz Westfalen vorangetrieben.

 

1. September 1941

Das Außenlager Niederhagen bei Büren wird selbstständiges Konzentrationslager: Die Häftlinge werden beim Umbau der Wewelsburg zur Kult- und Versammlungsstätte der SS eingesetzt; 1.285 von ihnen kommen durch Haft, Misshandlungen und Exekutionen ums Leben

 

23. August 1946

Gründung des Landes Nordrhein-Westfalen durch die Briten: Der Nordteil der Rheinprovinz und Westfalen werden vereinigt, das Ruhrgebiet wird zentraler Teil des bevölkerungsreichsten Bundeslandes

1947

Anschluss des Landes Lippe als Regierungsbezirk Detmold

 

4. Oktober 1949

Gründung der Aufbaugemeinschaft Espelkamp: Die ehemalige Munitionsanstalt im Kreis Lübbecke entwickelt sich zu einer der größten neu geplanten Flüchtlingsstädte in Deutschland.

 

1957

Höhepunkt der Beschäftigung im Ruhrbergbau in der Bundespublik. Aufgrund wachsender Öl- und Kohleimporte sowie der zunehmenden Nutzung der Naturgas- und der Atomenergie setzt anschließend ein Zechensterben und letztlich der Niedergang der Montanindustrie des Ruhrgebiets ein. Darunter leiden die Bevölkerung zwischen Ruhr und Lippe sowie das Wirtschaftswachstum in Nordrhein-Westfalen nachhaltig.

 

2. Januar 1964

Baubeginn für die Ruhr-Universität Bochum: Erste Universitätsneugründung der Bundesrepublik und Prototyp der Reformuniversität in den 1960er Jahren.

 

1975

Abschluss der kommunalen Gebietsreform: Durch die Neugliederung der Kreisstruktur und die Fusion von Gemeinden werden deren Anzahl in Westfalen reduziert und ein neues Identitätsbewusstsein geschaffen.

 

1984

Erstmals arbeiten in Westfalen mehr Beschäftigte im Dienstleistungsgewerbe als in der Industrie. Während Westfalen im Übergang von der Landwirtschafts- zur Industriebeschäftigung in den 1870er Jahren dem Deutschen Reich deutlich voranging, weist die Region im Übergang von der Industrie- zur Dienstleistungsbeschäftigung innerhalb der Bundesrepublik einen deutlichen Rückstand auf.

 

2010

Ruhrgebiet wird Kulturhauptstadt Europas. Über das Jahr verteilt demonstriert das Ruhrgebiet durch zahlreiche kulturelle Aktionen das Image sozialer Offenheit.