600 Jahre Domturm von Madern Gerthener - Umfangreiche neue Studie stellt Frankfurts „Stararchitekt“ um 1400 vor

 

Gerhard Ringshausen:

Madern Gerthener. Frankfurts großer Architekt und Bildhauer der Spätgotik

Studien zur Frankfurter Geschichte, Bd. 62

Hg. von Evelyn Brockhoff im Auftrag der Gesellschaft für Frankfurter Geschichte e. V., in Verbindung mit der Frankfurter Historischen Kommission und dem Institut für Stadtgeschichte

Henrich Editionen, Frankfurt am Main 2015

ISBN 978-3-943407-35-8, Preis: 34,80 €

 

15.5.2015 – Frankfurt (isg) Vor genau 600 Jahren entwarf „Werkmeister“ Madern Gerthener den Frankfurter Domturm, der bis ins 20. Jahrhundert das höchste Bauwerk der Stadt blieb und erst im 19. Jahrhundert nach den heute zum Bestand des Instituts für Stadtgeschichte gehörenden Originalplänen fertig gestellt wurde. Kaum ein anderes Gebäude prägte das Weichbild von Frankfurt am Main über Jahrhunderte stärker als der Domturm, dessen Grundsteinlegung am 6. Juni 1415 in den Ratsprotokollen dokumentiert ist.

 

Aus diesem Anlass veröffentlicht die Frankfurter Historische Kommission in Verbindung mit der Gesellschaft für Frankfurter Geschichte e. V. und dem Institut für Stadtgeschichte nun die Publikation von Prof. Dr. Gerhard RingshausenMadern Gerthener. Frankfurts großer Architekt und Bildhauer der Spätgotik“ als Band 62 der „Studien zur Frankfurter Geschichte“. „Da Gertheners Entwürfe die Entwicklung der Kunst im 15. Jahrhundert am Mittelrhein und in den angrenzenden Kulturlandschaften prägten, handelt es sich um ein längst überfälliges Standardwerk“, betonte Dr. Evelyn Brockhoff, Leitende Direktorin des Instituts für Stadtgeschichte und Herausgeberin der Studie. Die erste Monografie zu dem bedeutenden Baukünstler der Main-Metropole ist „die einzige in diesem Umfang vorliegende Untersuchung zu einem Werkmeister nördlich der Alpen“, unterstrich Prof. Dr. Christian Freigang aus Berlin, der die Arbeit initiiert hat.

 

Der um 1365 geborene Gerthener hinterließ nicht nur seiner Heimatstadt Frankfurt, wo er 1430 starb, zahlreiche Kulturdenkmale, darunter neben dem Domturm den Eschenheimer Turm, die Schaufassade der Liebfrauenkirche und den Chor von St. Leonhard, sondern wirkte als Baumeister herausragender Gebäude auch andernorts. In Oppenheim ist seine Urheberschaft für den Westchor der Katharinenkirche gesichert. Auch die Sakristei des Speyerer Doms soll auf Gerthener zurückgehen, ebenso wie Arbeiten in Mainz und Heidelberg. Neben anderen epochemachenden Entwürfen, in denen er vielfältige künstlerische Traditionen verband, gestaltete er in der nördlichen Portalvorhalle des Domturmes das erste Maßwerkgewölbe des Kontinents. Als genialer Schöpfer von Kirchen und Profanbauten zählt er zu den „Stararchitekten“ um 1400, dessen künstlerisches Selbstbewusstsein in einem Selbstbildnis am Eschenheimer Turm seinen Ausdruck fand.

 

Ringshausen legt einen Schwerpunkt seiner Arbeit auf kunsthistorische Aspekte des Wirkens Madern Gertheners. Er präsentiert dessen Werke nicht nur chronologisch, sondern setzt sie darüber hinaus in den historischen Kontext. Urkundlich gesicherte, vielfach aus den Beständen des Instituts für Stadtgeschichte belegbare, und aus stilistischen Gründen zuzuschreibende Arbeiten Gertheners stellt der emeritierte Professor für Theologie und Religionspädagogik Ringshausen ausgehend von seiner vor 50 Jahren verfassten Dissertation ausführlich vor und analysiert sie kundig. Dabei geht er nicht nur auf das architektonische Lebenswerk ein, sondern befasst sich gleichfalls gründlich mit den bildhauerischen Arbeiten, etwa den Epitaphien oder Wappenschilden beispielsweise im erhaltenen Torgewölbe des Nürnberger Hofes in Frankfurt. Eine übersichtliche Tabelle zur Biografie sowie ein umfangreiches Urkunden- und Regestenverzeichnis zu Madern Gerthener erhöhen den Gebrauchswert der Arbeit auch für den interessierten Laien.

 

„Wir haben eigens den Fotografen Uwe Dettmar beauftragt, die heutige Anmutung der erhaltenen Bauwerke Gertheners zu dokumentieren, sodass wir nun ein reich bebildertes Buch vorstellen können“, freute sich die Herausgeberin, Dr. Evelyn Brockhoff. Sie ist sicher, dass „die Veröffentlichung das von der Skyline dominierte Bild der Main-Metropole um viele unbekannte Facetten bereichert“.