Front 14/18. Der Erste Weltkrieg in 3D - Ausstellung in der Henrichshütte Hattingen

 

16.9.14 - Hattingen (lwl). Männer mit Gasmasken im Schützengraben, ein Verwundeter im Lazarett, Soldaten in einem zerstörten Dorf, ein gefallener Kamerad auf dem Feld, ein stolzer Pilot im Flieger - die Fotografien der Ausstellung "Front 14/18"  im LWL-Industriemuseum Henrichshütte Hattingen führen nah an das Kriegsgeschehen. Für den eigentlich verblüffenden Effekt aber sorgt eine Spezialbrille. Sie eröffnet dreidimensionale Räume, bezieht so den Betrachter scheinbar in das Kriegsgeschehen vor 100 Jahren ein.

 

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Original-Glasplatte aus dem Bildarchiv des LWL-Medienzentrums. Foto: LWL

 

Die stereoskopischen Aufnahmen der beiden Frontsoldaten Karl Bußhoff und Otto Mötje sind ein echter Schatz. Sie stammen aus zwei westfälischen Privatsammlungen, die das Bildarchiv des LWL-Medienzentrums für Westfalen bewahrt. "Wir sind sehr glücklich, dass wir diese seltenen Fotografien 100 Jahre nach Kriegsausbruch jetzt erstmals öffentlich zeigen können", erklärte LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale. Die Schau sei nicht nur ein wichtiger Beitrag im Verbund mehrerer Projekte, die der LWL zur Erinnerung an den Krieg auf den Weg gebracht hat. Sie sei auch beispielhaft für den Kulturaustausch auf europäischer Ebene. So wird eine Auswahl der 3D-Fotografien auch in der belgischen Provinz Westflandern zu sehen sein, mit der der LWL eine enge Partnerschaft verbindet.

 

Die Henrichshütte ist für die Präsentation in mehrfacher Hinsicht ein authentischer Ort: Bereits während des Ersten Weltkrieges wurde hier für die Rüstung produziert. Gezeigt werden die Bilder in der "Möllerung", einer unterirdischen Lagerstätte für Rohstoffe. Sie diente im Zweiten Weltkrieg als Luftschutzraum. "Ein seltener Bildbestand und der außergewöhnliche Ort machen diese Ausstellung zu einem intensiven Erlebnis", erklärte Dirk Zache, Direktor des LWL-Industriemuseums. "Front 14/18" ergänze in idealer Weise die aktuelle Sonderausstellung "Stahl und Moral" zur Rüstungsproduktion der Henrichshütte. Für Dr. Volker Jakob, einen der beiden Kuratoren des LWL-Medienzentrums, ist neben der Technik der "private Charakter" das Einzigartige an den gezeigten Aufnahmen: "Die Bilder vermitteln unverstellte Einsichten in den Alltag des Stellungskrieges, wie man sie bisher sehr selten gesehen hat."

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Männer mit Gasmasken im Schützengraben sind das Titelmotiv der Ausstellung. 3D-Anaglyphe. Foto: LWL


Eine der großen Herausforderungen im Projekt war die Arbeit mit den 100 Jahre alten Glasnegativen und -dias aus der Zeit des Ersten Weltkrieges. "Die sensiblen fotografischen Emulsionen waren teils verblichen, bröselten von den Glasplatten ab oder waren seinerzeit schon fehlerhaft belichtet und verarbeitet worden", erklärt Bildwissenschaftler Stephan Sagurna, der beim LWL-Medienzentrum zuständig für die Bearbeitung und Restaurierung des historischen Materials war. Ziel sei es gewesen, einen fotografischen Zustand wiederherzustellen, der die Bildmotive so zeigt, wie sie vor 100 Jahren unter optimalen Bedingungen als Schwarz-Weiß-Fotografien ausgesehen haben müssen.

Vor 100 Jahren sahen sich Menschen die stereoskopischen Aufnahmen mit speziellen Stereobetrachtern an - ein Erlebnis immer nur für eine Person. Damit mehrere Betrachter gleichzeitig die 3D-Bilder sehen können, präsentiert "Front 14/18" die Aufnahmen als sogenannte Anaglyphen, sich überlagernde, rot-blau eingefärbte Bilder. Jeder Besucher erhält eine Spezialbrille mit entsprechend eingefärbten Folien und sieht damit dreidimensional.


Wanderausstellung
Nach Hattingen schickt das LWL-Museumsamt eine Auswahl der Fotografien in den kommenden zwei Jahren auf die Reise. Zu den 13 Stationen gehören neben Städten in Westfalen-Lippe und im Rheinland auch 1916  das Royal Engineers Museum in Gillingham (Großbritannien) sowie 1917 das "Memorial Museum Passchendaele" in Zonnebeke (Belgien)
. Dr. Ulrike Gilhaus, Leiterin des LWL-Museumsamtes, freut sich über das große Interesse der ausstellenden Häuser, aber auch über die Resonanz der Besucher: "Unsere erste Wanderausstellung 'An der Heimatfront‘ tourt bereits seit Februar diesen Jahres durch Westfalen. Wir sind überrascht, wie sehr die Menschen die Geschichten aus dem doch so weit zurückliegenden Ersten Weltkrieg berühren. Außerdem ergänzen sich die beiden Ausstellung durch den Perspektivwechsel von Heimatfront und Front." Ein ausstellungsbegleitender Bildband mit über 350 Abbildungen, gedruckt im aufwändigen Duoton-Verfahren, ergänzt und vertieft den Ausstellungsbesuch: