Gegen den Zahn der Zeit arbeiten - Neuer Film stellt die Arbeit der Restauratoren im LWL-Museumsamt vor

 

21.8.2014 - Münster (lwl). Sie könnten die Stars eines jeden Museums sein und ein Massenpublikum begeistern, doch viele Gemälde fristen ein Dasein im Depot, weil sie unter Schäden leiden und nicht ausstellbar sind. Für die westfälischen Museen bietet der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in solchen Fällen Beratung und Förderung an. Wie die Restauratoren des LWL-Museumsamtes für Westfalen bei ihrer Schadensermittlung und Handlungsempfehlung vorgehen, zeigt ein kurzer Film, den der LWL ins Internet gestellt hat, an einem prominenten Beispiel aus dem Siegerlandmuseum. Der Film kann unter http://www.lwl.org/LWL/Der_LWL/PR/tv_audioservice/Filme_Kultur/museumsamt_siegen angesehen werden.

 

Im Mittelpunkt der vierminütigen Produktion steht die Untersuchung eines großformatigen Gemäldes von Peter Paul Rubens. Das Werk des gebürtigen Siegeners "Der siegreiche Held ergreift die Gelegenheit zum Friedensschluss" ist zwischen 1630 und 1635 entstanden und befindet sich mit acht weiteren Ölgemälden des weltberühmten flämischen Barockmalers seit Jahren im Oberen Schloss auf dem Siegberg. Die Schäden waren zwar nicht so ausgeprägt, dass das Bild abgehängt werden musste, doch selbst für das ungeschulte Auge unübersehbar. Es war Zeit zu handeln. "An dieser Stelle kommt das LWL-Museumsamt ins Spiel", erklärt seine Chefin Dr. Ulrike Gilhaus. "Wir beraten und fördern unsere kommunalen Museen in Westfalen in ihrer Arbeit, doch die konservatorische und restauratorische Beratung sind ganz besonders gefragt, weil wir eine kostenfreie und unabhängige Expertise liefern." Das LWL-Museumsamt untersucht wie im Siegerlandmuseum auf Anfrage kulturgeschichtlich wertvolle, jedoch geschädigte Objekte aller Epochen, erstellt ein individuelles Restaurierungskonzept und hilft dabei, das Raumklima zu verbessern, um Schäden vorzubeugen.

 

Der neue Film zeigt, wie LWL-Restaurator Ryszard Moroz das Siegerlandmuseum berät und ein Restaurierungskonzept für ein Gemälde von Peter Paul Rubens erstellt. Foto: LWL

 

Die Arbeit am Restaurierungskonzept an Rubens‘ "siegreichem Held" liegt in den Händen von Dr. Ryszard Moroz, Restaurator im LWL-Museumsamt und Experte für Gemälde und Grafiken. Er geht in kleinen Schritten vor: Eine erste Voruntersuchung vor Ort, dabei ist das Licht sein wichtigster Partner. "Tageslicht, insbesondere Streiflicht entlarvt Schäden sehr schnell und lässt erste Hypothesen über deren Ursachen zu", sagt Moroz und macht Museumsleiterin Prof. Dr. Ursula Blanchebarbe noch am Standort des Bildes auf die vielen feinen Risse und Verformungen aufmerksam. Mit UV- und Infrarotlicht vertieft er die Untersuchungen.


Schon bald kann er die Deformationen der Leinwand auf den defekten Keilrahmen zurückführen, der sie in Spannung versetzt. Im Labor des LWL-Museumsamtes setzt er seine Untersuchungen fort. Er untersucht den Aufbau der Malschichten, um die Ursache der sichtbaren Flecken zu analysieren. Beim vorsichtigen Lösen der aufliegenden Verschmutzungen sind Fingerspitzengefühl und Erfahrung gefragt. Am Ende der dreitägigen Untersuchung steht sein Restaurierungskonzept, das Auskunft über Art und Ausmaß der Schäden gibt, die Ursachen benennt und eine Handlungsempfehlung mit einer Kostenschätzung bietet.


Durch intensive Kontakte zu freien Restauratoren kann Ryszard Moroz auch Hinweise für die notwendige Ausschreibung der eigentlichen Restaurierungsarbeiten geben. Nun liegt der Ball wieder bei Museumsleiterin Ursula Blanchebarbe. "Ich bin etwas erschrocken über das Kostenvolumen, aber auch erleichtert, weil wir nun einen großen Schritt weiter sind", sagt die Kunsthistorikerin. "Wir kennen das Ziel und den Weg." In den nächsten Monaten wird Ryszard Moroz mit ihr die Restaurierungsarbeiten fachlich begleiten. Diese zeitintensive Arbeit kann er jedoch nur bei komplizierten Objekten oder größeren Kostenvolumina leisten.


Für Ulrike Gilhaus ist der Film ein wichtiger Beitrag, um einen wenig bekannten Aspekt der Museumsarbeit zu würdigen: "Restaurierungsarbeiten spielen sich hinter den Kulissen ab. Kaum jemand weiß, wie viele Schritte dabei nötig sind. Deshalb gewährt der Film einen kleinen Einblick nicht nur über ein Arbeitsfeld des LWL-Museumsamtes für Westfalen, sondern auch über einen vielseitigen Beruf, ohne den wir alle niemals so viel Freude an den Schätzen in Museen hätten."