Forschungskooperation entdeckt im Siegerland Bergbau aus 13. Jhd.

Die Strecke des Alten Mannes ist sehr eng und weitet sich wie hier nur an wenigen Stellen. Foto: Dt. Bergbau-Museum Bochum/Peter Thomas

13.8.2014 - Olpe/Kreuztal (lwl). Wissenschaftler haben den ältesten nachgewiesenen Bergbau im Siegerland entdeckt und erforscht. In einem Noteinsatz sicherten sie den ehemaligen Blei-Silbererz-Schacht aus dem 13. Jhd., zu dem sich Raubgräber Zutritt verschafft und bereits begonnen hatten, hölzerne Transporteinrichtungen abzubauen. Das Denkmal war in akuter Gefahr. Das Deutsche Bergbau-Museum hat die Arbeiten mit der Videokamera dokumentiert und unter http://www.youtube.com/user/dbmbochum veröffentlicht. Der Schacht wurde inzwischen mit 350 kg schweren Betonschwellen sicher verschlossen und damit vor Raubgräbern geschützt.

Forscher des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL), des Deutschen Bergbau-Museums Bochum und des Altenberg & Stahlberg e.V. Müsen kämpften sich in 60 Meter Tiefe durch enge Schächte, Strecken, jüngere Abbaukammern, Erzrollen und Verbindungsstrecken vor, um ein seltenes Stück Siegerländer Bergbaugeschichte zu entdecken. Wo man zunächst noch in voller Schutzausrüstung aufrecht gehen konnte, war schon bald Kriechen, Robben, Abseilen und Klettern an einbeinigen Leitern in 7° kühler Tiefe gefragt. „Das war eine große Herausforderung für uns alle - gerade beim Transport unserer Ausrüstung und Geräte war in der Enge und in dem schwierigen Gelände Teamwork wichtig", erklärte LWL-Archäologe Dr. Manuel Zeiler, Leiter des  archäologischen Rettungseinsatzes.

Neben dem archäologisch untersuchten Alten Mann wurden auch moderne Bergbaurelikte aus dem 19. Jhd. wie dieser mit Holz verschalte Schacht im Umfeld dokumentiert.
Foto: Dt. Bergbau- Museum Bochum/Peter Thomas

Bei der Anlage handelt es sich um einen so genannten "Alten Mann". So wird im Bergbau ein aufgegebener Altbergbau bezeichnet, auf den moderne Bergleute zufällig stoßen. Die Forschergemeinschaft dokumentierte zwei Abbaukammern einschließlich Verbindungsstrecke und einem horizontalen Zugangsstollen, die mit Schlägel und Eisen in Handarbeit aus dem Fels geschlagen wurden. Der geringe Durchmesser der Strecken, durch den die Forscher manchmal nur mit Mühe robben konnten, lässt keine Zweifel aufkommen: "Wir haben es hier mit dem bislang ältesten Abbau in dieser Form im Siegerland zu tun", so Zeiler. Die naturwissenschaftliche Untersuchung von Holzkohle aus dem Bergbau ergab: Seine Ursprünge liegen im 13. Jhd..

Im Siegerland gibt es bislang nur einen Nachweis für hochmittelalterliche Bergbautätigkeiten. Am Altenberg bei Hilchenbach-Müsen hat die gleiche Kooperationsgemeinschaft bereits vor mehr als 30 Jahren Bergbaustrukturen aus dem 13. Jhd.  dokumentiert - jedoch verhinderte das Grundwasser damals, dass annähernd eine Tiefe des Bergbaus erreicht wurde, die mit dem jetzt dokumentierten Alten Mann bei Kreuztal vergleichbar ist. Hier konnten die Forscher nämlich bis dorthin gelangen, wo im 13. Jhd. das wertvolle Blei-Silbererz abgebaut wurde. Diese Fundstätten waren gerade ab dem Hochmittelalter begehrt, als sich das Münzwesen etablierte. Bergbau und die Entstehung von mittelalterlichen Territorialgewalten förderten und beeinflussten sich in dieser Zeit gegenseitig. Die Fachleute haben die Neuentdeckung nicht nur akribisch vermessen und dokumentiert, sondern auch vier Sondage-Grabungen durchgeführt, um beispielsweise Reste von Holz und Holzkohle für weitere Altersbestimmungen sicherzustellen. Erste Analysen des Holzes zeigen: Der "Alte Mann" wurde bereits im 19. Jahrhundert durch den jüngeren Bergbau wieder entdeckt, indem die Bergarbeiter zufällig auf die längst vergessenen Strukturen stießen.