Schmelzpunkte: Alexander Calvelli – Industriemalerei - Sonderausstellung im LWL-Industriemuseum Henrichshütte

16.6.2016 - Hattingen (lwl). "Schmelzpunkte" heißt eine neue Ausstellung mit Gemälden des Kölner Künstlers Alexander Calvelli, die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) bis zum 23. Oktober in seinem Industriemuseum Henrichshütte Hattingen zeigt. Calvelli wurde 1963 in Frankfurt/Main geboren und studierte Malerei an der Fachhochschule in Köln. Nach Studienaufenthalten in Florenz, Rio de Janeiro und Córdoba/Argentinien lebt und arbeitet er in Köln. Mit seinen Gemälden begleitet er seit Jahrzehnten den Strukturwandel industrieller Landschaften. In einer historischen Halle präsentiert das LWL-Museum rund 150 Gemälde des Künstlers. Darüber hinaus laden einige der Bilder im Außengelände zum direkten Vergleich zwischen dem Motiv und seiner künstlerischen Bearbeitung ein. "So treten Industriekultur und Malerei in ein besonderes Spannungsverhältnis", sagte Kurator Dr. Olaf Schmidt-Rutsch vom LWL-Industriemuseum.

 

Am E-Ofen. Georgsmarienhütte, 2001. Foto: Alexander Calvelli

"Ich male vergängliche Architektur" - mit diesem Satz beschreibt Calvelli sein Werk und verbindet so inhaltlich die nahezu fotorealistische Darstellung von Blumen mit den Motiven der Schwerindustrie. Letztere bilden den Mittelpunkt der Ausstellung. Schmelzpunkte stehen dabei für Transformationsprozesse: Mit den Aggregatzuständen ändern sich Strukturen und Gefüge. Metalle werden aus Erzen erschmolzen, umgeschmolzen, in Formen gegossen und geformt. In Konverter und Elektroofen löst sich alter Schrott auf, bevor er erneut in Form gebracht einem neuen Nutzungszyklus zugeführt wird. Diese Transformationsprozesse prägen das Erscheinungsbild des Strukturwandels. So spannen die Gemälde Calvellis den Bogen vom Erz zum Schrott, vom Ursprung zum Niedergang. Sie zeigen mittelständische Betriebe und Großkonzerne, archaisch wirkende Kleinschmieden und gigantische Schmiedepressen. Die Darstellungen von längst verschwundenen Werken, aktiven Arbeitsstätten und im industriekulturellen Kontext neu entdeckten Anlagen vermitteln einen Eindruck von den Wandlungsprozessen, denen die Montanindustrie seit jeher ausgesetzt.ist." Die Gemälde Calvellis ziehen den Betrachter durch den hohen Realismus in ihren Bann. Die Strukturen der Arbeitsorte treten plastisch hervor. Es braucht eine Zeit intensiver Betrachtung, um zu erkennen, wie künstlerische Akzentuierungen die scheinbare Realität bewusst verfremden", so Olaf Schmidt-Rutsch. "Der intensive Blick in die Werke vermittelt einen nachhaltigen Eindruck von der Arbeit mit glühenden Metallen. Tatsächlich geht es nicht um die Dokumentation industrieller Anlagen oder die Illustration technischer Prozesse, sondern um die kritische und distanzierte Auseinandersetzung mit den Zeugnissen des Industriezeitalters."