Die Hosenboje - ein skurriler Lebensretter - Anfänge der Seenotrettung im LWL-Museum für Naturkunde

 

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Foto: LWL/Steinweg

14.8.2016 - Münster (lwl). Seit vielen Jahrhunderten ist das Meer ein Transportweg. Besonders in Küstennähe kann es für Schiffe gefährlich werden. Die neue Sonderausstellung "Wasser bewegt" des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) zeigt, dass Waser auch gefährlich werden kann. Zur Rettung Schiffbrüchiger wurde im 19. Jahrhundert ein skurriles Rettungsgerät erfunden, die sogenannte Hosenboje. Die Ausstellungsmacherinnen Jana Johe und Vanessa Rüttler vom LWL-Museum für Naturkunde zeigen ab dem 30. September im Rahmen der Ausstellung „Wasser bewegt“ dieses besondere Rettungsmittel. Leihgeber dieses Ausstellungsstückes ist die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS).


"Wir sind sehr froh, die Hosenboje von der DGzRS für die gesamte Ausstellungsdauer als Leihgabe zu bekommen. Das Objekt ist uns wichtig, da wir daran zeigen können, wie bedeutend die Seenotrettung für die Menschen auf den Meeren ist", sagt Vanessa Rüttler. Bis weit in das 20. Jahrhundert hinein transportierten vor allem Frachtsegler die Waren weltweit über die Ozeane. "Viele Frachter strandeten damals in Küstennähe. Zu der Zeit gab es noch kein GPS oder Radarsystem. So konnten Schiffe auf Grund laufen oder mit Felsen kollidieren", erklärt Johe. Es war schwer die Schiffbrüchigen von der Küste aus zu erreichen. Um bei sehr küstennahen Einsätzen den Einsatz von Ruderrettungsbooten in der gefährlichen Brandung zu vermeiden, entwickelte der englische Admiral George William Manby 1807 einen besonderen Raketenapparat. Der Apparat wurde per Pferdewagen in die Nähe des Unglücksortes gebracht. Eine Leine wurde über das gestrandete Schiff geschossen. Mit Hilfe dieser Leine wurde ein Flaschenzugsystem errichtet, an dem die Hosenboje befestigt wurde. "Die in Seenot geratenen Seeleute wurden nun einzeln in der Hosenboje sitzend Mann für Mann an Land gezogen", erklärt Rüttler. Zu ihrer Zeit war die Hosenboje ein großer technischer Fortschritt.

 

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Raketenapparat der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). Foto: DGzRS Die Seenotretter

Als Folge schwerer Schiffsunglücke entstand 1865 die DGzRS. "Heute steht den Rettern modernste Technik zur Verfügung, um Schiffbrüchige aus ihrer Not zu befreien. Doch die Hosenboje ist und bleibt ein interessantes Stück Seefahrer-Geschichte, das einen spannenden Einblick in vergangene Zeiten gibt", so Johe. Die DGzRS ist zuständig für den maritimen Such- und Rettungsdienst in den deutschen Gebieten von Nord- und Ostsee. Sie verfügt über rund 60 Seenotrettungskreuzer und -boote auf 54 Stationen zwischen Borkum im Westen und Usedom im Osten - einsatzbereit rund um die Uhr, bei jedem Wetter. Jahr für Jahr fahren die Seenotretter über 2.000 Einsätze. Ihre Arbeit wird ausschließlich durch Spenden finanziert, ohne Steuergelder. Seit Gründung der DGzRS 1865 haben ihre Besatzungen über 82.000 Menschen aus Seenot gerettet oder vor drohenden Gefahren befreit. Schirmherr der Seenotretter ist der Bundespräsident.


Hintergrund zur Ausstellung

LWL-Museum für Naturkunde

Sentruper Str. 285, 48161 Münster

Tel.: 0251 591 6050

(Servicezeiten: Mo-Fr 8.30-12.30 Uhr, Mo-Do 14-15.30 Uhr) sowie

http://www.wasser-bewegt.lwl.org | http://www.seenotretter.de

 

Das LWL-Museum für Naturkunde in Münster zeigt ab dem 30. September die inklusive Sonderausstellung "Wasser bewegt - Erde Mensch Natur". Auf 1.200 Quadratmetern lernen Besucher, welche Herausforderungen der Lebensraum Wasser birgt. In der Ausstellung werden Lebewesen vorgestellt, die perfekt an das Leben im Wasser oder an Leben ohne Wasser angepasst sind. Besucher aller Altersgruppen erleben die Schönheit, Kraft und die Bedeutung des Wassers für die Erde. Die Ausstellung ist dank Brailleschrift, einem speziellem Audioguide und Tastmodellen für Menschen mit Sehbehinderung genauso geeignet wie für Sehende oder für Hörbehinderte. Begleitend zur Ausstellung bietet das LWL-Museum für Naturkunde museumspädagogische Programme für Kinder und Jugendliche sowie Führungen für Erwachsene an.