LWL-Projekt erforscht die mittelalterlichen Wandmalereien in der Pfarrkirche St. Marien in Paderborn-Neuenbeken

25.2.15 - Paderborn-Neuenbeken (lwl). Im Rahmen des Forschungsprojektes "Bildwelten - Weltbilder: Figürliche Wandmalerei der Romanik in Westfalen" starten jetzt die Untersuchungen in der Marienkirche in Paderborn-Neuenbeken. Die katholische Pfarrkirche ist eine von 13 westfälischen Kirchen, die im Zuge dieses Projektes vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) näher erforscht werden.

 

Im Querschiff von St. Marien haben sich figürliche Wandmalereien aus der Zeit um 1230 erhalten: Eine aufwändige Abendmahldarstellung und eine in weiten Teilen erhaltene Dar-stellung der Kreuzabnahme Christi. "Diese großformatigen, vielfigurigen Werke sind wichtige Zeugnisse der mittelalterlichen Glaubensvorstellungen sowie der damaligen Handwerkstechniken und natürlich auch großartige Kunstwerke", erklärt LWL-Denkmalpfleger Dr. Dirk Strohmann. "Die Malereien haben bereits eine bewegte Restaurierungsgeschichte hinter sich. Daher ist es für unsere Forschungsarbeit in einem ersten Schritt sehr wichtig, den erhaltenen Originalbestand systematisch zu erfassen und zu kartieren."

Diskutierende Apostel aus der romanischen Abendmahldarstellung. Foto: LWL

Maria liebkost die Hand des gekreuzigten Christus, Detail aus der Kreuzabnahme. Foto: LWL

"Vom Gerüst aus erforschen wir die Malereien mit verschiedenen Untersuchungsmethoden", beschreibt die vom LWL beauftragte Restauratorin Katharina Heiling ihre Arbeit. "Wir untersuchen und erfassen die Wand Zentimeter für Zentimeter. So können wir sagen, welche Stellen zur erhaltenen Originalsubstanz gehören und welche erst später hinzugefügt, verändert oder restauriert wurden. Außerdem erhoffen wir uns neue Erkenntnisse zur mittelalterlichen Maltechnik."


In einem weiteren Schritt werden die Darstellungen kunstgeschichtlich beschrieben und gedeutet sowie ihre stilistisch Herkunft abgeleitet. Mit dieser Aufgabe wurde die Kölner Kunsthistorikerin Dr. Anna Skriver beauftragt. "Die Malereien in der Marienkirche in Neuenbeken faszinieren mich jedes Mal wieder. Durch die Gesten und Gesichtsausdrücke haben die dargestellten Personen eine hohe narrative und emotionale Wirkung." Das Projekt untersucht auch die Frage, welche Vorbilder die Maler hatten. "Im Stil der Malereien ist ein deutlich sächsischer Einfluss zu erkennen", so Skriver. "Wurde dieser Stil von wandernden Malern nach Westfalen mitgebracht oder aus der Buchmalerei und anderen Bildvorlagen aufgegriffen? Wenn wir alle Kirchen untersucht haben, ergibt sich hoffentlich ein klareres Bild der Gesamtzusammenhänge."


Ziel des Wandmalereiprojektes ist es, die Werke zu erfassen, zu erforschen und in einem abschließenden Buch zu veröffentlichen. LWL-Chefdenkmalpfleger Dr. Markus Harzenetter erläutert: "Wir wollen die Qualität und Bedeutung der figürlichen romanischen Wandmalereien in Westfalen bekannter machen und seriöse Grundlagen für die weitere Forschung schaffen." Bis Ende 2015 werden die 13 wichtigsten Beispiele der Kunstgattung in Westfalen untersucht. Neben dem Buch werden eine Wanderausstellung und ein eigener Internetauftritt die Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit präsentieren. Zusätzlich entsteht ein Dokumentarfilm, der die romanischen Wandmalereien und ihre Entstehungsumstände vorstellen, aber auch ihrer Bedeutung für die Menschen von heute nachgehen wird. Das Projekt wird von der LWL-Kulturstiftung gefördert.