Paderborner Marktplatz gibt seine Vergangenheit preis

 

31.3.15 - Paderborn (lwl). Seit längerem untersucht die  LWL-Stadtarchäologie den Marktplatz in Paderborn. Mit den Ergebnissen ist Dr. Sven Spiong mehr als zufrieden. "Wir haben hier wertvolle Einblicke in das Aussehen dieses zentralen Platzes und seine Entwicklung gewonnen", betont er. Die archäologischen Funde seien so wertvoll und einzigartig und so dicht sei man bisher nicht mit der Entstehung des Paderborner Domes in Berührung gekommen. In den Schriftquellen ist überliefert, dass hier im 13. und teilweise auch im 14. Jahrhundert der Bischof und seine hohen Beamten wohnten und viele meinen, der Platz sei auch vor der Neuanlage im 18. Jh. repräsentativ gewesen, denn immerhin wohnten im 13./14. Jh. der Bischof und seine hohen Beamten am Domvorplatz. Heute prägen eindrucksvolle Barockfassaden und der Neptunbrunnen vom Neuhäuser Schlossinnenhof das Bild vom alten Marktplatz.

 

Steinbruch

Ausgrabung auf dem Paderborner Domplatz 2014 (Foto LWL-Wegener)

Die Archäologen entdeckten aber ein ganz anderes Bild: Steinbrüche gaben dem Marktplatz ein alles andere als ebenes Aussehen. Ohne diese wäre der Dombau wesentlich aufwändiger und kostspieliger geworden.

Besonders aufschlussreich ist die Kohlgrube auf der Nordseite des Marktplatzes, ein  mindestens vier Meter tiefer und 30 Meter breiter Steinbruch. Als „kolgrove“ war der Ort den Historikern schon lange aus den Schriftquellen bekannt, die ihn seit dem 14. Jh.  erwähnen. Über seine ursprüngliche Funktion und genaue Lage wusste man jedoch nichts. "Angelegt wurde der Steinbruch im frühen 13. Jh.", erläutert Dr. Sven Spiong. "Hier brachen die Bauleute sehr wahrscheinlich aus dem hoch anstehenden Fels Kalksteine für den Dom, der seinerzeit neu errichtet wurde." Eine weitere Steinkuhle entdeckten die Archäologen an der Südostseite des Marktplatzes. Nach der Aufgabe und Verfüllung der Steinbrüche schufen die Bauleute eine gut befestigte Arbeitsfläche, auf der sie Öfen errichteten. So auch auf dem Marktplatz. Die LWL-Archäologen entdeckten Exemplare mit Durchmessern zwischen 30 und 60 Zentimetern mit Kuppeln aus gebranntem Lehm. Wahrscheinlich wurden darin Metallschmelzarbeiten für die Ausstattung des neuen Doms ausgeführt - etwa für die Bleifassungen der Fenster. Eben blieb der Marktplatz nach Abschluss der Arbeiten am Dom keinesfalls. Der größere nördliche Steinbruch zeichnete sich mit einem Höhenunterschied von zirka 1,50 Metern noch bis in das 15. Jahrhundert deutlich im Gelände ab. Auch der südöstliche Steinbruch vor dem barocken Portal der Gaukirche war noch im 17. Jahrhundert als 50 Zentimeter tiefe Senke vorhanden. Einen halbwegs ebenen Marktplatz scheint es erst nach 1700 gegeben zu haben.

 

Mülldeponie

Mit stinkender Schlammschicht, Bettlern, Pilgern und einer Werkstatt war der Marktplatz alles andere als idyllisch. Besonders im 13. und 14. Jahrhundert litt der Marktplatz unter der mangelnden Abfallentsorgung. Der Müll der Anwohner sammelte sich auf dem Platz an und bildete übel riechende Schlammschichten. Zeitweise machten bis zu 30 cm dicke stinkende Schlammschichten den Platz unpassierbar Immer, wenn es dem Bischof zu sehr stank, ließ er den Platz neu pflastern, so dass bis zu sieben Pflasterschichten und stinkender Unrat erhalten blieben.

Pilger und wahrscheinlich auch Bettler hielten sich hier auf, wie der Fund eines Pilgerzeichens belegt. Die Forscher entschlüsselten auch das Rätsel der Kohlgrube, die sie tief in der Erde entdeckten. In diesen Schichten fanden die Archäologen Fundstücke, wie etwa das Siegel einer Papsturkunde oder ein Pilgerzeichen einer Marienwallfahrt, die belegen, dass der durch Paderborn verlaufende Hellweg auch ein Pilgerweg war. "Das Siegel mit einer Darstellung von Petrus und Paulus war ursprünglich an einer Urkunde befestigt, die von Papst Innozenz im 13. Jahrhundert ausgestellt wurde. Zu unserem Glück ging es wohl einem der hohen Beamten des Bischofs verloren", freut sich Dr. Martin Kroker, Leiter des Museum in der Kaiserpfalz. Neben vielen Ledersohlen kam im Schlamm auch eine goldene Schnalle zum Vorschein.

Eine große Anzahl von Lederabfällen weist darauf hin, dass zu dieser Zeit zumindest zeitweise auch ein Schuster auf dem Domplatz arbeitete. Das idyllische Bild vom Marktplatz hat sich also deutlich relativiert. "Damit präsentiert sich der zentrale Platz der Stadt unmittelbar vor der Haustür des Bischofs deutlich anders, als wir ihn bislang zu kennen glaubten", schildert Stadtarchäologe Dr. Sven Spiong.

 

 

Friedhofsmauer (links) und Hellwegpflaster unter dem die 1,60 m dicken Fundamente eines bislang ungekannten massiven Steingebäudes zu erkennen sind. Dieses Gebäude wurde 1170/80 durch die Gaukirche ersetzt. Foto: LWL/Spiong

Historischer Hellweg entdeckt

Im Ostteil wurden zwei Schächte gegraben, bei denen in einer Tiefe von 1,05 bis 1,30 Metern das historische Pflaster des Hellwegs zum Vorschein kam.

Um 1150/80 erhielt der Weg, der die Menschen der Region seit jeher mit wichtigen Handelszentren verband, eine erste Pflasterung und damit auch den Garant für eine bessere Mobilität. Der Hellweg verlief zwischen dem Domkirchhof im Norden und der 1170/80 errichteten Gaukirche im Süden. Der Domkirchhof war wiederum durch eine Kirchhofmauer abgegrenzt, die ebenfalls unter den Werkzeugen der Archäologen zum Vorschein kam.


Die 80 cm breite Friedhofsmauer war noch 75 cm hoch erhalten. Sogar den ursprünglichen und später wieder verschlossenen Zugang zum Friedhof konnten die Archäologen noch nachvollziehen. Auch ein später über dem ersten Hellweg gebautes Pflaster wurde bei den Ausgrabungen wieder sichtbar - inklusive des mittelalterlichen "Mülls". Die grün glasierte Keramik ist von vielen Füßen und Wagenrädern in das Pflaster eingetreten worden und zeigt, dass die Paderborner bis ins 16./17. Jahrhundert diesen Weg nutzten.


Begeistert sind die Fachleute darüber hinaus von einem Mauerrest, der noch älter als das Hellwegpflaster ist. Für die Pflasterung wurde diese mit 1,60 Metern Fundamentstärke sehr eindrucksvolle Mauer abgebrochen. Darüber bauten die Paderborner um 1170/80 die Gaukirche. Zu welchem Gebäude diese Mauer gehörte, lässt sich allerdings nicht mehr klären. Es könnte sich um einen ebenfalls sakralen Bau handeln oder um ein funktional völlig anders ausgerichtetes Gebäude. Vor der Errichtung dieses Bauwerks erhielt der Platz im Laufe der Zeit gleich drei Pflasterungen. Darunter sind bereits weitere Kulturschichten zu Tage getreten, die es in den nächsten Wochen durch die Archäologen zu erforschen gilt.


Am Ostrand des Domplatzes zeigte sich den Forschern ein ganz anderes Bild. Dort lagen zwei Laufhorizonte des 11. Jh. übereinander - getrennt von einer horizontalen Platzbefestigung. In der unteren Schicht befand sich das Bruchstück einer Altarplatte oder eines Epitaphs aus Sandschein mit Resten einer Inschrift. Das Fundstück war wohl ursprünglich in einen Altar oder in eine Wand im Dom oder auch im Domkloster eingebunden. Eine Datierung vom späten 8. bis frühen 11. Jahrhundert lässt sich aufgrund des nur kleinen Ausgrabungsausschnittes nicht präzisieren.


Unter den Pflasterungen des 11. Jahrhunderts befindet sich hier direkt der natürliche Fels. Das heißt, dass die hier ursprünglich vorhandenen Erdschichten, 50 bis 80 Zentimeter dick, abgetragen wurden - offenbar, um einen ebenen Burginnenraum zu bekommen im Zusammenhang mit der neuen Befestigung der Domburg und den umfangreichen Baumaßnahmen unter Bischof Meinwerk (1009-1036). Auch dieses Ausgrabungsergebnis zeigt, wie tiefgreifend die baulichen Veränderungen in der Bischofsburg damals waren.
Die Archäologen haben darüber hinaus noch ältere Siedlungsspuren wie Gruben und ein Pfostenloch gefunden. Interessant sind außerdem Funde wie eine Abfallgrube aus dem 10. Jahrhundert, in der Metallschmelzer Tiegelsc
Ausgrabungen auf dem Paderborner Domplatz bringen Friedhofs- und Gebäudemauern zu Tage

Paderborn (lwl). Bei Bauarbeiten auf dem Paderborner Domplatz kam auf einer Länge von 30 Metern ein Mauerfundament wenige Zentimeter unter der heutigen Asphaltdecke zum Vorschein. "Dabei handelt es sich um die ehemalige südliche Begrenzung des bis zum 19. Jahrhundert genutzten Domfriedhofs", so Dr. Sveva Gai, Archäologin des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). .

Der Winter ist für die fortschreitenden Bauarbeiten zur Umgestaltung des Paderborner Domplatzes kein Hindernis. Aktuell öffnen die Bagger die Erde für einen ca. 60 Meter langen Abwasserkanal auf dem Gelände. Dabei dringen die Schaufeln in eine Tiefe von fast drei Metern und damit in einen bislang noch völlig unberührten Bereich vor. Für die Archäologen ist das ein Glücksfall, denn sie bekommen damit einen exklusiven Einblick in mehr als 1000 Jahre bauliche und räumliche Stadtentwicklung.

Die entdeckte Mauer ist fast einen Meter breit und liegt an der Nordseite des Hellwegs, dessen Reste bereits bei früheren Ausgrabungen nördlich der Gaukirche dokumentiert wurden. Sie könnte im Zuge der letzten Friedhofserweiterung entstanden sein. Zusätzlich wurden große, flach liegende Kalksteine als Überreste einer ehemaligen Pflasterung entdeckt. Funde, die eine genaue Datierung ermöglichen, fehlen bislang noch.

Die Archäologen stießen bei ihren Ausgrabungen außerdem auf weitere Mauern, die offenbar zu älteren Wohngebäuden und einem Keller gehörten. Sogar der bogenförmige Zugang zum Keller ist noch in Teilen erhalten geblieben. Ob hier noch weitere Räume im Boden verborgen sind, werden die weiteren Ausgrabungen zeigen. Bislang haben die LWL-Fachleute jedenfalls viele Indizien für eine neuzeitliche Erweiterung des Friedhofs nach Süden. Die Gebäude, die zuvor hier standen, wurden im Rahmen der Erweiterung offenkundig abgebrochen.

Dokumentiert werden konnten zudem Hinweise auf die älteren Friedhofsanlagen auf dem Domplatz. Vorläufer des Friedhofes waren südlich des Domes schon in der Karolingerzeit entstanden. Während des Mittelalters wird die Ausdehnung des Areals noch kleiner gewesen sein als die Fläche, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts aufgelöst wurde. Aus der neuzeitlichen Phase der Bestattungen stammt ein Kindergrab, das in einer Tiefe von 1,25 Metern verborgen lag. Bereits bei Ausgrabungen im vergangenen Jahr waren in dieser Erdschicht Gräber aus dieser Zeit entdeckt worden.

Die Ausgrabungen werden noch fortgesetzt. Der Stadtentwässerungsbetrieb der Stadt Paderborn, der die Kanalisationsarbeiten durchführt, unterstützt die Untersuchungen, damit die Arbeiten in einem Zeitraum von drei Monaten beendet werden können.

herben, Schlacke, Buntmetallfragmente, gebrannten Lehm und Holzkohle entsorgten.

 



Der gewölbte Eingang ist gut zu erkennen. Die Mauern eines Kellers sind im Boden ebenfalls zum Vorschein gekommen.
Foto: LWL/Gai