Über 1000 "Arbeiter- und Soldatenräte" in Westfalen und Lippe - Historische Kommission gibt Dokumentation heraus

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5.5.2016 Münster (lwl). Der 100. Jahrestag der Novemberrevolution 1918 wirft schon Schatten voraus. Dieter Gebhard, Vorsitzender der LWL-Landschaftsversammlung, hat im Wissenschaftspark Gelsenkirchen eine Dokumentation der Historischen Kommission für Westfalen beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) vorgestellt. Mit dem neuen Buch will die Historische Kommission die für das 2018 geplanten Ausstellungen und Veranstaltungen zum Revolutionsjubiläum unterstützen. "Gerade für die vielen bislang unbeachteten lokalen Arbeiter- und Soldatenräte erhoffen wir eine größere Aufmerksamkeit", so Reininghaus. Am Erinnerungsjahr wird sich die LWL-Kommission auch selbst beteiligen: Gemeinsam mit Geschichtsverbänden und Archiven aus dem Rheinland plant sie eine wissenschaftliche Tagung, die im November 2018 stattfinden soll.
Nachgewiesen werden darin über 1300 Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte aus den Jahren 1918/19. Verfasser des Buches ist der Vorsitzende der Historischen Kommission, Prof. Dr. Wilfried Reininghaus. In seinem neuen Werk berichtet er über den Forschungsstand und über offene Fragen, "von denen hoffentlich viele bis 2018 noch erforscht werden können", so Reininghaus. Neben dem Verzeichnis der Räte bietet das Buch ein umfangreiches Quellen- und Literaturverzeichnis.

Wilfried Reininghaus:
Die Revolution 1918/19 in Westfalen und Lippe als Forschungsproblem.

Quellen und offene Fragen. Mit einer Dokumentation zu den Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräten. Veröffentlichung der Historischen Kommission für Westfalen,
Neue Folge 33. Aschendorff Verlag, ISBN 978-3-402-15124-2, Preis 39 Euro

Gebhard erinnerte an die Bedeutung der Revolution für die Demokratie in Deutschland: Nach dem 9. November 1918 erhielten Frauen und Männer das gleiche und freie Wahlrecht, die Zeit des verhassten Dreiklassen-Wahlrechts war vorbei. Das Ende des Kaiserreichs und der Aufbruch in die demokratische Staatsform waren überschattet vom verlorenen Ersten Weltkrieg und von großen sozialen Spannungen, vor allem im Ruhrbergbau. Die Bergleute wehrten sich gegen die überlangen Arbeitszeiten und den Lohnstopp bei steigender Geldentwertung. Sie forderten die Sozialisierung des Bergbaus und stießen damit auf den harten Widerstand der konservativen Eliten. Das Buch beschäftigt sich auch mit kaum bekannten Details aus der Geschichte des Provinzialverbandes, dem Vorgänger des LWL. So verhinderten die Arbeiter- und Soldatenräte des Ruhrgebietes im März 1919 die eilige Einsetzung eines konservativen Landeshauptmanns, kurz bevor die demokratisch gewählte neue Versammlung zusammentrat.